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Allgemeines Informationen zum Thema Ehrenmorde/ Verbrechen im Namen der Ehre

In vielen patriarchalischen Ländern, darunter Pakistan, Bangladesch, und der ganze Mittlere Osten, ist nach traditioneller Vorstellung die Ehre eines Mannes abhängig von dem ehrbaren, d.h. normgerechten Verhalten seiner weiblichen Familienangehörigen. Verhält sich Ehefrau, Tochter oder Schwester nicht dem gesellschaftlichen Frauenbild gemäß, trifft die allgemeine Verachtung nicht nur sie, sondern auch den Mann der Familie, dem sie „gehört“ und der sich durch ihr Verhalten entehrt sieht. Die Frau selbst hat keine Ehre, sondern ist lediglich Trägerin der Ehre des Mannes bzw. der ganzen Familie.

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Für eine Frau ist es in einer solchen Gesellschaft leicht, die Familienehre zu verletzen: Es reicht, den von der Familie für sie auserwählten Mann abzulehnen, einen gewalttätigen Ehemann verlassen zu wollen und sich selbst einen Mann zu suchen, es reicht, überhaupt in den Verdacht zu kommen, etwas davon tun zu wollen, es reicht, wenn sich ein Unbekannter in sie verliebt, es reicht, vergewaltigt zu werden. Auch wenn eine Frau ohne ihre eigene Schuld entehrt wird (z.B. durch Vergewaltigung) ist der Mann und mit ihm die Familie entehrt. Durch ihr eigenes Verhalten kann die Frau die Familienehre nicht selbst wiederherstellen. Eine verletzte Familienehre kann nach dem traditionellen Ehrenkodex nur durch Verstoßung oder Tötung der Frau wiederhergestellt bzw. die Schande, die über die Familie gekommen ist, gesühnt werden. Zu Verbrechen im Namen der Ehre zählen nicht nur Ehrenmorde, sondern auch die Misshandlung, Unterdrückung und Verstoßung eines Mädchens oder einer Frau, die durchgeführt werden, um die Familienehre zu bewahren bzw. wieder herzustellen.

Ehrverletzungen werden vom sozialen Umfeld hart bestraft, eine ehrlose Familie wird aus der festgefügten Gesellschaft ausgeschlossen. Ehrenmorde sind deshalb in den meisten Fällen „Familiensache“, d.h. dass die gesamte Familie von der vermeintlichen Ehrverletzung informiert wird und das Urteil fällt. Auch wenn der Mord selbst immer von einem männlichen Mitglied ausgeführt wird, sind nicht selten Frauen unmittelbar an der Tatvorbereitung beteiligt.

Die Täter, meist nahe männliche Verwandte wie Väter, Ehemänner oder Brüder gehen häufig straffrei aus oder werden strafmildernd behandelt, da die Richter Verbrechen im Name der Ehre oft tolerieren. Häufig werden auch minderjährige Familienmitglieder zu der jeweiligen Tat angestiftet, um von vornherein eine Strafmilderung zu erwirken.

Obwohl die meisten Ehrenmord in islamisch geprägten Staaten oder Bevölkerungsgruppen vorkommen, sind sie kein religiöses Phänomen und sind in manchen islamischen Staaten (z.B. Westafrika) völlig unbekannt. Auch die muslimische Geistlichkeit streitet eine Aufforderung zum Ehrenmord aus religiösen Gründen ab und verweist auf die Tradition, allerdings ohne ihre Autorität ernsthaft zugunsten von Frauen einzusetzen.

Verbrechen im Namen der Ehre beschränken sich nicht auf die islamische Welt. Sie kommen auch in Brasilien, Ecuador, Indien und in Migrantengruppen in Europa vor. Im Rahmen der Kampagne ‘NEIN zu Verbrechen in Namen der Ehre’ soll die deutsche Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht werden, dass Ehrenmorde bzw. Verbrechen im Namen der Ehre in mindestens 14 Ländern eine große Brisanz darstellen, dass aber auch in Deutschland Ehrenmorde an Mädchen und Frauen begangen werden.

Weitere Informationen erhalten Sie auch per e-mail: eilaktion@frauenrechte.de

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