POESIEALBUM

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Erich Fried
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ÜBER FEUER

Als die Feuer meiner Liebe lohten,
Waren sie zu hell für deine Augen,
Waren sie zu heiß für deine Arme,
Und du hast dich freundlich umgedreht.

Als die Feuer meiner Liebe brannten,
Störte dich das Knistern ihrer Flammen,
Zauste dir ihr Wind zu sehr die Haare,
Und du sahst nicht, was für dich verbrennt.

Als die Feuer meiner Liebe strahlten,
Hattest du ihr Licht in deinem Rücken
Und den Wald mit seinem Holz vor Augen,
Und du gabst nicht auf die Feuer acht.

Langsam sind die Feuer klein geworden,
Und es fröstelt dich an deinen Armen,
Und es kommt dir Asche in die Augen,
Wenn du traurig in die Gluten bläst.

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BEI EINEM ABSCHIED

Lass uns nicht auseinandergehn
Wie Leute,
Die ein schlechtes Geschäft
Gemacht haben.
So nah
Sind wir uns nur gekommen,
Weil wir uns sonst
Nicht erkennen konnten.
Wenn du von Betrug reden willst,
Rede von Selbstbetrug.
Wenn wir etwas verloren haben,
Sind es Illusionen.
Was wir gewonnen haben,
Sind Erfahrungen.
Enttäuscht sind wir nur
Von uns selber.
Dass wir uns trennen,
Liegt daran,
Dass wir ehrlich waren.
Lass uns nicht auseinandergehen,
Als ob wir
Ein schlechtes Geschäft gemacht hätten.

 

TRAUER

Mich hat die Trauer
Leicht gemacht
Wie eine Feder.
Wird meine Tür geöffnet,
Trägt es mich ins Freie.
Jetzt hilft es nicht,
Mir Hände herzureichen.
So schnell kann ich
Doch keinen Halt gewinnen.
Ich bin so weit entfernt
Von allen Dingen
Und würde mich so gern
An ihnen stoßen,
Damit der Leib
Den Schmerz der Seele
Abnimmt.

 

VERLETZT

Die Wärme, die so dicht um meine Schultern lag,
Hast du mit einer harten Geste weggezogen.
Jetzt ist mir kalt am heißen Sommertag.

Der allzu scheue Vogel Zärtlichkeit,
Von deiner bösen Stimme ist er aufgeflogen
Bis zu den Toten. Zittert dort und schreit.

Du hast ihn um sein schönes Nest betrogen,
Das er sich selten aus vier Händen baut.
Du warst zu schweigsam, und du warst zu laut.


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