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Häusliche Gewalt

Misshandlungen durch Ehemann, Freunde oder Lebenspartner gehören für viele Frauen und ihre Kinder in der Bundesrepublik zum Alltag. Jährlich fliehen rund 40 000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser. Sehr viel mehr ertragen über Jahre schlimmste Demütigungen und Misshandlungen. Für Millionen von Frauen ist ihr eigenes Zuhause eine Stätte des Terrors, dem sie häufig aus eigener Kraft nicht mehr entfliehen können.

Eine Befragung in verschiedenen europäischen Ländern ergab, dass in der Regel jede vierte Frau vom Partner misshandelt wird. Sie werden vom Mann geboxt, getreten, gewürgt, an den Haaren gezogen, durchs Zimmer geschleift, mit Gegenständen beworfen mit dem Kopf gegen Wände geschlagen, ihre Knochen gebrochen, sie werden Treppen hinuntergetreten - das Spektrum der Gewalt ist breit. Männer misshandeln ihre Partnerin unabhängig von Einkommen, Bildung und Alter. Bereits Mädchen bekommen Schläge von ihrem Freund.

Gewalt im privaten Raum, die „in der Familie“ ausgeübt wird, auch häusliche Gewalt genannt, ist die verbreitetste Form der Gewalt. Für Verletzungen bei Frauen ist häusliche Gewalt die häufigste Ursache, häufiger als Verkehrsunfälle, Überfälle und Vergewaltigung zusammen genommen. Ihr Zuhause ist der gefährlichste Ort für eine Frau.

 

Ursachen

Im männlichen Selbstverständnis wird Männlichkeit noch immer definiert als Ausübung von Macht und Kontrolle, Stärke, körperliche Kraft, Führung, Erfolg, Ehrgeiz und Konkurrenz. Diese archaische Rollenerwartung ist im Internet-Zeitalter, in dem Teamarbeit gefragt ist, oft kontraproduktiv. Männer müssen notwendigerweise häufig scheitern, sich in der modernen Arbeits- und Lebenswelt als Mann zu beweisen. Nach dem Selbstverständnis vieler Männer ist körperliche und auch psychische Gewalt jedoch ein legitimes und männliches Mittel, die eigenen Interessen durchzusetzen.

Im gesellschaftlichen Umfeld müssen die Täter nicht ernstlich mit negativen Konsequenzen oder einer Bestrafung rechnen. Bis 1900 galt in Deutschland noch das Züchtigungsrecht des Ehemanns gegenüber seiner Frau und seinen Kindern. Dieses patriarchale Rechtsverständnis wirkt noch immer nach. Eheliche Gewalt ist ein Privatklagedelikt: nur wenn die Frau Anzeige erstattet und sich traut, als Zeugin auszusagen, wird das Verbrechen strafrechtlich verfolgt.

Auf der individuellen Ebene spielen Konfliktlösungsmuster und individuelle Erfahrungen eine ursächliche Rolle. Gewalt wird gelernt. Wer nur gewalttätiges Verhalten und Dominanz des Stärkeren in der eigenen Kindheit als Mittel der Konfliktaustragung gelernt hat, wird dieses Verhalten auch als Erwachsener in der eigenen Familie zeigen, wenn er keine alternativen Möglichkeiten der Konfliktbewältigung lernen kann.

Gewalttätiges Verhalten ist oft auch Ausdruck von Fehlentwicklungen und Traumatisierung in der Lebensgeschichte der Täter. Manche der misshandelnden Männer sind emotional von ihren Partnerinnen abhängig und besessen von der Angst, sie zu verlieren. Dies versuchen sie mit totaler Kontrolle, mit psychischer und physischer Gewalt zu verhindern. Sie lassen von der Frau auch lange nach einer Trennung nicht ab. Diese emotionalen Nöte rechtfertigen ihr Verhalten jedoch nicht: Jeder Täter trifft die bewusste Entscheidung, zuzuschlagen und er hätte sich immer auch dagegen entscheiden können.

Auswirkungen auf Frauen und Mädchen

Das Erleben von Einschüchterungen, Demütigungen, seelischer Grausamkeit und oft sehr brutaler körperlicher und sexualisierter Gewalt innerhalb „des Schutzes“ der eigenen Privatsphäre erschwert es der betroffenen Frau, sich Hilfe zu holen und zu schützen. Der Angreifer und Täter ist ja gleichzeitig der Vater der Kinder, der Mann den sie liebt oder geliebt hat. Die sogenannte „Privatsphäre“ schützt den Täter: Nachbarn, Bekannte oder auch die Polizei haben Hemmungen, klar Position zu beziehen und den Täter zu verurteilen. Gewalttätige Partner versuchen zudem, die Frau zu isolieren und untersagen ihr Kontakte zu Freunden und Verwandten.

Gewalt in der Partnerschaft ist niemals ein einmaliges Ereignis, in aller Regel eskaliert das gewalttätige Verhalten des Mannes. Die Erfahrungen zeigen, dass die Männer nach dem ersten Mal voll Reue sind, der Frau Blumensträuße schenken usw., aber früher oder später wieder zuschlagen. Aus Angst vor neuer Gewaltanwendung schweigen viele Frauen, erstatten selbst bei schwerer Misshandlung keine Anzeige. So entsteht ein Kreislauf ohne Ende.

Besonders gefährdet sind Frauen nach einer Trennung: Viele Gewalttaten geschehen deshalb, weil Männer Angst haben, dass sie verlassen werden. Nicht nur die Frauen sind gefährdet: 70 Prozent der Misshandler schlagen auch die Kinder und missbrauchen sie sexuell.

Gewalt durch den Partner zu erfahren, sich ihm gegenüber ohnmächtig und ausgeliefert zu erleben, ist für die Frau ein traumatisches Erlebnis. Zu den körperlichen Schmerzen und Verletzungen kommen die seelischen Beschädigungen. Wiederholen sich die Gewaltakte, so besteht die Gefahr chronischer Traumatisierung.