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Daten, Fakten, Hintergründe

Niemand weiß genau, wie viele Kinder auf der Straße um ihr Leben kämpfen. Zuverlässige Erhebungen scheitern nicht nur an einer Definition des Begriffs »Straßenkind«, sondern auch am Umfeld »Straße«: Die Kinder und Jugendlichen sind ständig in Bewegung, sie wechseln oft zwischen der Straße, verschiedenen Einrichtungen und ihrer manchmal noch vorhandenen Familie. Offiziell existieren viele Straßenkinder gar nicht. Ihre Geburt wurde nie erfasst. Einen Eindruck von der Größenordnung des Phänomens geben die Schätzungen von UNICEF und WHO, nach denen weltweit mehr als 100 Millionen Kinder auf der Straße leben und arbeiten.

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Anne Geddes
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Straßenkinder sind Stadtkinder: Die Straßenkinderorganisation Casa Alianza geht davon aus, dass allein in den Großstädten Lateinamerikas 40 Millionen Kinder auf der Straße leben.

Nur für rund ein Viertel der Kinder ist die Straße das einzige Zuhause. Die Eltern sind verstorben, in Kriegswirren verschollen oder die Kinder haben jeden Kontakt zur Ursprungsfamilie abgebrochen, meist als Reaktion auf Gewalterfahrungen. Die Mehrzahl der Kinder verbringt nur den Tag oder mehrere Tage am Stück auf der Straße, kehrt aber sporadisch zur Familie zurück.

Straßenkinder in Mosambik
Straßenkinder in Mosambik
Foto: Veit Mette

Die Straße ist der Lebensmittelpunkt der Kinder und ihr Arbeitsort. Sie sammeln Müll, putzen Autoscheiben, verkaufen Zeitungen, betteln. Um zu überleben müssen sich viele von ihnen aber auch prostituieren, als Drogenkurier arbeiten oder stehlen. Die »Straßengangs« sind oft ein Ersatz für die verlorene oder kaputte Familie. In der Gruppe schützen sich die Kinder gegenseitig, entwickeln Überlebensstrategien und schaffen sich mit oft regiden Regeln einen sozialen Bezugsrahmen.

In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Kinder, die auf der Straße leben, erheblich zugenommen. Schätzungen zufolge ist allein in Brasilien ihre Zahl von 1,8 Millionen (1976) auf etwa acht Millionen (2000) gestiegen. Das Phänomen »Straßenkind« ist jedoch keineswegs neu, sondern als eine Nebenerscheinung der freien Marktwirtschaft und stetig zunehmenden Verstädterung seit dem frühen 19. Jahrhundert bekannt.

Fachorganisationen gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Kinder auf der Straße bis zum Jahr 2020 verachtfachen könnte. Immer mehr Familien unter dem Druck von extremer Armut, Krieg und Gewalt zusammen. Die Staaten ziehen sich im Zuge der neoliberal ausgerichteten Globalisierung aus ihrer Verantwortung zurück, immer mehr Menschen sind von der sozialen Grundversorgung ausgeschlossen. Diese Situation verschärft sich durch die rasante Ausbreitung von Krankheiten wie HIV / AIDS. Nach einer Prognose von UNAIDS werden im Jahr 2010 über 25 Millionen Kinder ein oder beide Elternteile durch AIDS verloren haben.

In Deutschland leben nach einer terre des hommes Studie von 2001 etwa 9.000 Kinder und Jugendliche auf der Straße, allein ein Drittel von ihnen lebt in Berlin (Angabe des Landesjugendamtes). Die Ursachen für den Weg auf die Straße sind vielfältig. Nach Untersuchungen der deutschen Straßenkinderorganisation Off-Road-Kids ist mindestens eines von vier Kindern vor Misshandlungen in der Familie geflüchtet. Vier Fünftel der befragten Kinder und Jugendlichen hatten bereits vor ihrer Straßenkarriere Kontakt mit der Jugendhilfe.

Das Zuhause der Straßenkinder besteht aus Pappe, alten Decken, bewegt sich zwischen Müll und Absteige und ist geprägt von Armut und Gewalt. Fehlende Zuneigung, Ablehnung und Missbrauch sind mit verantwortlich für Verhaltenstörungen, Depressionen, Hyperaktivismus oder andere psychosoziale Krankheiten: drei Viertel aller Straßenkinder leiden darunter. Die Gewalterfahrungen lassen viele Kinder auch selbst zu Tätern werden. Weil sie täglich zu spüren bekommen, dass ihr Leben nichts wert ist, haben viele auch die Achtung vor dem Leben der anderen verloren.

Von der Gesellschaft werden die Kinder deshalb als Bedrohung wahrgenommen, vor der sie sich ihrerseits gewaltsam zu schützen versucht, zum Beispiel durch Ausgrenzung und Kriminalisierung der Straßenkinder, durch Verfolgung mittels privater Sicherheitsdienste etc. So wurden nach Angaben von Casa Alianza allein im Oktober 2002 in Honduras 47 Kinder und Jugendliche unter 23 Jahren ermordet. 35 von ihnen wurden erschossen, sechs niedergestochen. Damit steigt die Zahl der seit 1998 in Honduras ermordeten Kinder und Jugendlichen auf über 1.400. Nach einer im September 2002 erschienen UN-Studie ist eine erhebliche Anzahl dieser Morde von privaten Sicherheitsdiensten sowie von der hondurianischen Polizei begangen worden, über die Hälfte der Fälle wurden nicht ausreichend untersucht.

terre des hommes hat über 20 Jahre Erfahrung mit Kindern, die auf der Straße leben. terre des hommes fördert 14 Straßenkinderprojekte in Asien (Afghanistan, Indien, Kambodscha, Thailand, Philippinen, Indonesien und Vietnam), Afrika (Mosambik, Südafrika, Simbabwe, Sambia) und Lateinamerika (Bolivien, El Salvador, Nicaragua).

Das Dach über dem Kopf, die warme Mahlzeit und medizinische Grundversorgung ist ein erstes Angebot, aber die terre des hommes Projektarbeit geht weit darüber hinaus: Die terre des hommes-Partner beziehen die Kinder und Jugendlichen vom ersten Moment an in die Projektarbeit ein. In Bildungs- und Ausbildungsangeboten, die sich an ihrer Lebensrealität orientieren, lernen die Kinder, sich langfristig bessere Lebensbedingungen zu schaffen. Wenn es sein muss, wird der Unterricht dafür auch auf einem Bahngleis oder einer Müllhalde abgehalten. Die Projekte in Sambia, Simbabwe und Südafrika gehen zudem auf die spezielle Situation der Kinder ein, die ihre Eltern durch AIDS verloren haben. Mit zahlreichen Projekten zur Gewaltprävention ebenso wie durch Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit zielt terre des hommes außerdem darauf ab, die Lebenssituation der Kinder so zu verändern, dass sich schon im Vorfeld Alternativen zum Weg auf die Straße bieten.


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